Die Erklärung: Unternehmen müssen diese Investitionen derzeit nicht unbedingt selbst tätigen und dürfen stattdessen auf staatliche Gelder hoffen. Im Rahmen des Konjunkturpakets II hat die Bundesregierung Hilfen für Betriebe eingeführt, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind. Unter dem Motto „Qualifizieren statt entlassen“ bezahlt die Arbeitsagentur aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Mitarbeitern, die während ihrer Kurzarbeit an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen, die vollen Sozialversicherungsbeiträge sowie einen Teil der Lehrgangskosten (zwischen 25 und 80 Prozent). Für gering qualifizierte Mitarbeiter können sogar die vollen Lehrgangskosten sowie ein Zuschuss zu Fahrtkosten und Kinderbetreuungskosten übernommen werden.
Eine besonders zeit- und kostenschonende Methode der Aus- und Weiterbildung bietet das Internet. Vor allem in innovativen Branchen mit kurzlebigen Produktzyklen wie Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräte, in denen Unternehmen ihre Vertriebsmitarbeiter in kürzesten Abständen über Produktneuerungen informieren müssen, um die Beratungsqualität in Verkaufsgesprächen und damit den Absatz zu steigern, kann der Wechsel von Präsenz- zu Online-Trainings oder zumindest eine Kombination von Präsenz- und Online-Training (so genannte Blended Trainings) helfen, massiv Kosten zu sparen. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich im Idealfall durch das Web die Aufwendungen für betriebsinterne Schulungen halbieren können.
Lernen wenn es passt
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Mitarbeiter müssen sich nicht zu einem vorgegebenen Termin an einen vorgegebenen Ort begeben, um sich in muffigen Tagungsräumen faktenbasiertes Wissen einzuverleiben. Stattdessen können sie zeit- und ortsunabhängig dann eine Trainingseinheit absolvieren, wenn es gerade am besten in ihren persönlichen Arbeitsalltag passt. Das freut nicht nur den Mitarbeiter, sondern auch den Personalchef: Reisekosten, Reservierungsgebühren für Tagungsräume, Budgets für den Trainer und Leerlaufzeiten während An- und Abreise der Mitarbeiter entfallen. Laut einer aktuellen Pressemitteilung des Branchenverbandes Bitkom setzt inzwischen die Mehrzahl der Großunternehmen E-Learning zur Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ein. In mittelständischen Unternehmen allerdings bestehe Nachholbedarf. Hier nutzt einer Erhebung der BMWi-Initiative Lernet zur Förderung von E-Learning in KMUs zufolge nur jede vierte Firma das Web zur Förderung des eigenen Personals.
Die Möglichkeiten des so genannten E-Learnings sind vielfältig – sowohl was die Themen als auch was die Lernmittel angeht. Analog zu diversen Offline-Seminaranbietern haben sich im Web inzwischen diverse Online-Akademien etabliert. Sie bieten inzwischen ein breites Kursspektrum zu allgemein interessanten Themen, zum Beispiel im Bereich IT, Vertrieb oder Marketing an. Diese können Interessenten entweder alleine durcharbeiten oder sich alternativ in so genannten virtuellen Klassenräumen mit anderen Lernwilligen zu fest ausgemachten Terminen treffen.
Wer firmenindividuelles Schulungsmaterial benötigt, hat ebenfalls die Qual der Lernmittelwahl. Die in den Medien omnipräsenten Wikis und Blogs sind ein kostengünstiges Tool, über das Mitarbeiter ihr Wissen leicht mit anderen teilen können. Firmenindividuelle Produktschulungen indes lassen sich gut über das firmeneigene Intranet anbieten. Wer kein Budget für spezialisierte E-Learning-Dienstleister aufwenden will, die das Schulungsmaterial fachdidaktisch für das Internet aufbereiten, - beispielsweise weil sich diese Kosten für die kleine Zahl an zu schulenden Mitarbeitern einfach nicht rechnen - kann sich mithilfe so genannter Autorensysteme und ein wenig Einarbeitungsgeduld auch selbst behelfen. Tools wie beispielsweise das Open-Source-Autorensystem „WBT Express“ ermöglichen es Fachexperten, ihr relevantes Wissen schnell, kostengünstig und arbeitsprozessbegleitend in Form von Standardschulungen weiterzugeben.
Eine Möglichkeit, bei der Erstellung qualitativ hochwertiger Lerninhalte Kosten zu sparen, ist „Content Sharing“. Dabei werden Lerninhalte in Form von Modulen aufbereitet, die man durch einfache Kombination in unterschiedlichen Lernszenarien wieder verwenden kann. Auf diese Weise können Anbieter von Lernmodulen einmal entwickelte Lerninhalte mehrfach anbieten und besser refinanzieren. Bildungseinrichtungen können die Inhalte wiederum kostengünstiger nutzen. Ein gutes Beispiel für einen solchen Marktplatz ist die Web-Plattform Cpendia, die aus dem Lernet-Projekt „Content Sharing“ hervorgegangen ist. Über 1.000 verschiedene Lernmodule werden dort in verschiedenen Lizenzen angeboten – je nachdem, ob beispielsweise nur ein Mitarbeiter den Lerninhalt benötigt oder ob ein Trainer die Inhalte auch in veränderter Form in Umlauf bringen möchte.
Für größere Mittelständler kann sich auch die Anschaffung eines komplexen Learning-Management-Systems lohnen – allerdings können die Kosten dafür schnell mit 250.000 Euro zu Buche schlagen. Das Aufgabenspektrum reicht von der Planung von Online-Kursen über die Bereitstellung von Kursunterlagen bis hin zur Zertifizierung und Erfolgsmessung.
Zukunftsmusik indes ist derzeit noch die Weiterbildung in virtuellen Welten. Doch während Marketingauftritte vieler Unternehmen in 3D-Umgebungen wie „Second Life“ so schnell eingestampft wurden wie sie entstanden, haben viele Firmen die Vorteile der virtuellen Zusammenkunft der eigenen Mitarbeiter zu Präsentations- oder Schulungszwecken schätzen gelernt und sind deswegen Second Life treu geblieben. Denn der große Vorteil virtueller Welten, Immersion, das Gefühl - unabhängig von räumlicher Distanz - mit anderen Leuten zusammen zu sein, zu kommunizieren und zu arbeiten, ist gerade für den Weiterbildungsbereich hochinteressant.
Und noch eine Blüte treibt das Web 2.0 im Bereich E-Learning zutage: So genannte „Learning Communities“ werden in den USA, aber zunehmend auch in Deutschland, als Möglichkeit angesehen, einen neuen Weg zu beschreiten, um das Lernen in der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung neu zu gestalten. In Learning Communities setzen Menschen zusammen intensiv mit einem bestimmten Thema auseinander, lernen gemeinsam, tauschen Wissen aus oder arbeiten gemeinsam an Problemstellungen.
IHKs bieten Orientierung im Dschungel
Die Lernet-Erhebung in KMUs zeigt: Sechs von zehn kleinen und mittelständischen Unternehmen setzen auf fertige Out-of-the-Box-Lösungen, um ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Lediglich jedes fünfte Unternehmen entwickelt Lerninhalte selbst. Wie aber finden Unternehmen im E-Learning-Dschungel genau das Angebot, das zu den eigenen Zielen und dem Bedarf der Mitarbeiter passt? Unterstützung bei der Bedarfsanalyse bieten hier unter anderem die Weiterbildungsberater der Industrie- und Handelskammern. Eine erste Anlaufstelle gibt es im Web unter www.ihk-online-akademie.de.
Trotz aller Vorteile gibt es aber auch negative Aspekte im Bereich E-Learning, die ein Unternehmen berücksichtigen sollten. So eignen sich viele der heute angebotenen Lösungen für Mittelständler nur bedingt, weil sich die Investition in die Entwicklung und Implementierung einer eigenen Plattform im Verhältnis zur Zahl der zu schulenden Mitarbeiter nicht lohnt. Kein Wunder also, dass viele Studien immer wieder konstatieren, dass es derzeit vor allem Großunternehmen sind, die E-Learning-Systeme einsetzen. Auch die Qualität der angebotenen Lösungen lässt in vielen Fällen noch stark zu wünschen übrig, sowohl was die Technik, als auch, was die didaktische Aufbereitung der Lehr- und Lernmaterialien betrifft.
Kritisch anzumerken ist nicht zuletzt auch, dass E-Learning sich nicht für jeden Typ von Mitarbeiter eignet, da diese Lernform ein hohes Maß an Eigenmotivation erfordert. Der Lernende lernt in einer anonymen Situation, er kann nicht direkt beim Lehrer nachhaken, wenn er etwas nicht versteht, oder sich in der Kaffeepause mit anderen Kollegen austauschen. Für manchen Schulungsteilnehmer kann dies eher frustrierend wirken, vor allem dann, wenn dazu auch noch technische Barrieren kommen. Datenschutzexperten befürchten noch eine weitere negative Auswirkung: Dadurch, dass die Systeme die Lernpfade der Schüler speichern, können E-Learning-Plattformen auch zum gläsernen Mitarbeiter führen.
Der Königsweg ist eine Mischung
Um E-Learning in ein bereits bestehendes Schulungsprogramm zu verankern, setzt etwa die Hälfte der Unternehmen daher das elektronische Lernen in Kombination mit bewährten Präsenzseminaren ein (Blended Learning). E-Learning dient damit als Vorbereitung auf die eigentlichen Seminare, als zusätzliche Möglichkeit, das Erlernte zu üben und umzusetzen, aber auch als “sozialer Puffer”, mit dem Mitarbeiter die Stellen anonym wiederholen können, bei denen sie sich im Seminar nicht nachzufragen trauten.. Gerade jene Teilnehmer, die bei herkömmlichen Präsenzseminaren eher verhalten agieren, bringen sich bei interaktiven Lösungen wie beispielsweise bei Lernportalen deutlich aktiver ein. Und Mitarbeitern, die noch nicht so sehr an Werkzeuge wie Foren oder Chats gewöhnt sind, tun sich leichter mit diesen Medien, wenn sie die Mitschüler in Präsenzseminaren schon einmal kennengelernt haben.