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IP-/ Internet-Telefonie

Mehr Möglichkeiten mit Voice over IP


Schön billig, aber viel zu störungsanfällig: Das alte Vorurteil über die Internet-Telefonie (Voice over IP / VoIP) hält sich in manchen Unternehmen noch hartnäckig - vor allem in KMUs. Die diesjährige IT-Messe SYSTEMS in München wird sich des Themas annehmen und um Verständnis für die neue Technologie werben. Zu Recht, denn das internetbasierte System hat sich in der betrieblichen Praxis längst etabliert.


Der unschlagbare Vorteil gegenüber dem klassischen Telefonnetz liegt in der Kombination aus Telefon- und Computerfunktionalitäten. So können Unternehmen die Telekommunikationsanlagen unterschiedlicher Standorte zusammenschalten, die einheitliche Verkabelung spart Infrastruktur-Kosten  und - last but not least - die Nutzung freier Kapazitäten auf den schon vorhandener Datenleitungen reduziert die Kosten. In der Regel fallen Gesprächsgebühren nämlich nur an, wenn man das Firmennetzwerk verlässt, also beispielsweise bei Gesprächen in das herkömmliche Festnetz.


Problemloser Übergang

Der Übergang (Gateway) in andere Telefonnetze funktioniert in beide Richtungen. Man kann nicht nur von einem IP-Telefon aus ins Festnetz oder in Mobilfunknetze telefonieren, sondern erhält vom Anbieter auch eine Telefonnummer, unter der der eigene Anschluss aus dem Telefonnetz erreichbar ist. Im Prinzip unterscheidet sich der Kommunikationsvorgang nicht von der herkömmlichen Telefonie: Das Gespräch besteht aus zwei technischen Vorgängen, dem Verbindungsaufbau und der eigentlichen Gesprächsübertragung. Doch anders als bei der konventionellen Telekommunikation wird das gesprochene Wort in kleine Digital-Pakete aufgeteilt, komprimiert und transportiert. Wirklich neu ist das übrigens nicht: Das Verfahren der Audiokompression wird bereits beim Mobilfunk erfolgreich eingesetzt.


Kompromisse bei der Sprachqualität

Der kritische Punkt der internetbasierten Telefonie ist und bleibt die Sprachqualität. Sie hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der zur Verfügung stehenden Bandbreite sind spezielle Merkmale wie Latenz, Jitter und Verlustrate von Bedeutung. Die Latenz oder Laufzeit (englisch: Delay) bezeichnet die grundsätzliche Verzögerungszeit, die bei jedem Transport von Datenpaketen in einem IP-Netz entsteht. Bei der IP-Telefonie gelten 100 Millisekunden als obere Grenze, bis zu der noch ein normales Gespräch möglich ist.

SYSTEMS 2006
Weitere Informationen zur IT-Messe für den Mittelstand finden Sie im aktuellen SYSTEMS-Special.
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Jitter nennen Fachleute die zeitliche Schwankung zwischen dem Empfang von zwei Datenpaketen. Um große zeitliche Schwankungen zu kompensieren, werden „Pufferspeicher“ (Buffer) eingesetzt. Die Größe des Puffers muss dabei auf die Laufzeit abgestimmt sein. So kann ein zu groß gewählter Speicher zu einer Verschlechterung der Laufzeit führen. Datenverluste schließlich entstehen, wenn die einzelnen Digital-Pakete nicht oder nicht in der richtigen Reihenfolge zum Empfänger geleitet werden. Die Folge ist eine deutliche Verschlechterung der Sprachqualität. Datenverluste bzw. eine erhöhte „Verlustrate“ werden häufig durch zu starken Traffic im Netzwerk verursacht. Eine stabile Datenverbindung mit angemessenen Kapazitäten ist darum die Grundvoraussetzung für jedes erfolgreiche VoIP-Projekt. Für eine Verbindung in ISDN-Qualität muss ein DSL-Anschluss mit einer Bandbreite von mindestens 100 kbit/s in beide Richtungen zur Verfügung stehen. Beide Richtungen bedeutet: Es kommt letztlich auf den Upstream an, der wesentlich geringer als der Downstream ist.


Besser als Mobilfunk

Nach derzeitigem Stand der Internet-Technologie kann allerdings auch der sorgfältigste Dienstleister keine absolut sichere Übertragungsqualität  garantieren. Übertragungsverluste und zeitweilige Aussetzer sind immer wieder möglich. Auch die Ausfallsicherheit der IP-Telefonie ist derzeit wesentlich geringer als die herkömmlicher Telefonnetze. US-Studien zufolge liegt sie bei knapp 97 Prozent. Das entspricht immerhin einem Ausfall an insgesamt elf kompletten Tagen im Jahr. Zudem gibt es bei vielen DSL-Providern eine so genannte 24-Stunden-Zwangstrennung, die ständig benutzte Leitungen in regelmäßigen Abständen unterbricht. Die anschließende Neueinwahl kann mitunter mehrere Minuten in Anspruch nehmen. In diesem Punkt ist VoIP der klassischen Telefonie immer noch unterlegen. Anders sieht es im Vergleich zum Mobilfunk aus: Hier schneiden Sprachqualität und Ausfallsicherheit der internetbasierte Systeme deutlich besser ab.


Unschlagbarer Telekommunikations-Komfort

Außerdem kann die IP-Telefonie mit  softwaregestützten Zusatzfunktionen aufwarten, über die herkömmliche Telefonnetze nicht verfügen. Der Stuttgarter Lokalsender Radio Energy etwa nutzt seit dem Umstieg auf Voice over IP ein Gebührenerfassungsprogramm, eine Voicemail-Lösung mit Telefonabfrage, Anrufbeantworter, Fax- und weitere Komfort-Funktionen. Dadurch können Mitarbeiter beispielsweise am PC sehen, welche Kollegen gerade telefonieren und wer für externe Anrufer erreichbar sind.

Unterm Strich kann VoIP als vollwertige Alternative zum klassischen Telefonnetz angesehen werden. Darauf deutet auch die immer größere Zahl an Unternehmen hin, die ihre Telekommunikationsanlagen internet-tauglich machen. Viele Marktforscher glauben sogar an einen Massenmarkt: Das Research-Unternehmen Forrester etwa rechnet damit, dass VoIP bereits im Jahr 2010 knapp ein Drittel des gesamten Festnetzmarktes ausmachen werde.



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