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E-Government

Bits und Bytes statt Behördenmuff: Vater Staat wandelt sich zum digitalen Dienstleister


Internet und E-Business bringen deutsche Behörden allmählich auf Trab. Bund, Länder und Gemeinden haben die Vorteile des E-Government erkannt. Das Prinzip ist einfach: Ebenso wie in jedem Privatunternehmen führen digitale Prozesse auch in Behörden zu Zeit- und Kostenvorteilen. Davon profitiert nicht nur Otto Normalbürger sondern auch Unternehmen.


Sie ersparen sich lästige Behördengänge und können via Internet auf Informationen zugreifen, für die bislang aufwändige Recherchen erforderlich waren. Zum Beispiel bei der Suche nach der Handelsregisteranzeige eines potenziellen Geschäftspartners oder Konkurrenten. Noch ist hier die intensive Zeitungslektüre erforderlich. Doch schon im kommenden Jahr dürfte eine EU-Richtlinie umgesetzt sein, nach der sämtliche Informationen im Internet zur Verfügung gestellt werden müssen.


E-Government ist ein Milliardengeschäft

Online-KFZ-Zulassung im Alb-Donau-Kreis Online-KFZ-Zulassung im Alb-Donau-Kreis
Die E-Government-Chancen für die deutsche Wirtschaft klingen verlockend: Durch den konsequenten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie in Behörden und Betrieben können in der Bundesrepublik bis 2008 rund 75 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung erbracht werden, rechnet etwa The Boston Consulting Group (BCG) in einer gemeinsamen Studie mit der Deutschen Telekom und Siemens Communications vor. Und schon jetzt bringt E-Government den Unternehmen viele Vorteile - angefangen von der Zeit sparenden elektronischen Umsatzsteuervoranmeldung bis hin zu komplexen Genehmigungsverfahren, die via Internet viel einfacher und schneller abgewickelt werden können als im realen Rathaus-Dschungel. Gerade Mittelständler haben in der Regel Besseres zu tun, als ihre Arbeitszeit im Wartezimmer einer Behörde zu verbringen. Bis zur optimalen Bereitstellung und Nutzung aller technischen verfügbaren E-Government-Instrumente ist es allerdings noch ein weiter Weg.


Nachholbedarf für digitale Dienstleistungen

Im internationalen Vergleich zählt die Bundesrepublik nicht gerade zu den Vorreitern der elektronischen Verwaltung. Die skandinavischen Länder, die USA oder Australien sind mit der Vernetzung von Staat, Bürgern und Unternehmen schon ein gutes Stück weiter. Selbst das kleine Estland hat die Bundesrepublik in puncto E-Government abgehängt. Dort dient etwa der Personalausweis als Identifizierungsmerkmal und Signaturkarte für Online-Transaktionen, Ministerien kommunizieren fast ausschließlich elektronisch miteinander und sämtliche Parlamentssitzungen werden im Web abgebildet. In Deutschland erschwert nicht zuletzt die föderale Struktur mit ihren komplexen Verwaltungshierarchien flächendeckende Standardlösungen für den digitalen Dienstweg. So ergab im Frühjahr 2005 denn auch eine Studie von Deutsche Bank Research, dass E-Government in der Bundesrepublik nur von einem Viertel der Bevölkerung genutzt wird. Als Motor für E-Government fungierte hierzulande zunächst der Bund.


BundOnline als E-Government-Motor

Die vom Bundesinnenministerium in Berlin koordinierte Initiative BundOnline 2005 hat bis Ende 2005 über 400 Informations-, Kommunikations- und Transaktionsdienstleistungen des Staates digital zugänglich gemacht. Die Angebote reichen von A wie Ausschreibung bis Z wie Zoll und sind sowohl über die Internet-Seiten der jeweiligen Behörde als auch über das zentrale Dienstleistungsportal  www.bund.de erreichbar. Neben der Eröffnung eigener virtueller Amtsstuben kümmert sich der Bund aber auch um die Standardisierung weitergehender Anwendungen auf Länder- und Gemeindeebene. Ziel ist es, unnötige Parallelentwicklungen und Insellösungen zu vermeiden und die Kompatibiliät aller eingesetzten Verwaltungssysteme zu gewährleisten. Schon zu Beginn der Initiative im Jahr 2000 wurden daher "Standards und Architekturen für E-Government-Anwendungen" (SAGA) ausgearbeitet, die seither fortlaufend weiterentwickelt werden. Für Unternehmen lohnt aber nicht nur der Blick auf die BundOnline-Site.

Im betrieblichen Alltag geht es meist um die Kommunikation mit der zuständigen Landes- oder Kommunalbehörde - sei es bei der Vergabe von Aufträgen, beim unvermeidlichen Kontakt mit dem Finanzamt oder bei der Baugenehmigung für ein neues Firmengebäude. Unternehmen tun darum gut daran, sich über die jeweils aktuellen E-Government-Angebote der für sie zuständigen Behörde zu informieren. Vielfach stehen nämlich schon mehr elektronische Dienstleistungen zur Verfügung als man glaubt. Die Digitalisierung der Amtsstuben schreitet derzeit so schnell voran, dass die liebgewordenen Klischees vom schwerfälligen Beamtenapparat vielleicht schon bald der Vergangenheit angehören werden. Wobei Vater Staat von Online-Pannen und Fehlentwicklungen ebenso wenig verschont bleibt wie die Privatwirtschaft: So ist etwa die gesetzlich vorgeschriebene elektronische Steuererklärung für Unternehmen via Online-Plattform Elster nach wie vor nur für Windows-Anwender möglich. Apple- und Linux-Nutzer bleiben beim virtuellen Finanzamt weiterhin draußen vor der Tür.



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