Web 2.0 beschreibt im Wesentlichen die Transformation des World Wide Web zu einer Computer-Plattform, in der Informationen nicht über Links, sondern über Schnittstellen ausgetauscht werden. Ein Beispiel, wie so etwas aussehen könnte, ist Amazon: Das Online-Warenhaus bietet inzwischen Schnittstellen, über die andere Website-Betreiber einen eigenen Online-Buchshop mit voller Amazon-Funktionalität in ihre eigenen Internet-Auftritt einbinden können. Die Website sieht aus wie vom Betreiber, tatsächlich nutzen die Kunden aber die Dienstleistung von Amazon.
Ajax als technische Basis
Anhänger der Web-2.0-Idee erwarten aber noch mehr: Viele Anwendungen eines normalen PC sollen künftig durch Web-Applikationen ersetzt werden, die zum Beispiel in Ajax geschrieben sind. Dabei handelt es sich nicht um eine komplett neue Technologie, sondern um einen Mix verschiedener Technologien wie HTML, XHTML oder DOM (Document Object Model). Doch erst Microsofts XMLHttpRequest macht Ajax zu dem, was es in punkto Web 2.0 ist: Das Objekt erlaubt es nämlich per Java Script spezielle HTTP-Anfragen an einen Webserver zu schicken und die HTTP-Antwort wieder auszuwerten. Dank DOM können die Ergebnisse angezeigt werden, ohne die Seite aktualisieren zu müssen. So verhalten sich Webseiten wie Software-Anwendungen, die ohne Verzögerung die Eingaben der Benutzer verarbeiten. Oder einfach ausgedrückt: Web 2.0 ermöglicht es dem Anwender, mit Daten aus dem Internet umzugehen, als wären sie seine eigenen.
Ein weiteres technisches Web-2.0-Phänomen sind so genannte Mashups: Dabei werden Software-Module online zu einer komplett neuen Anwendung verknüpft. Ein populäres Beispiel für ein solches Mashup ist die US-Website Housingmaps.com: Den Amerikaner Paul Rademacher ärgerte bei der Suche nach einer neuen Eigentumswohnung, dass er über den Kleinanzeigendienst Craigslist nicht auf einer Landkarte angezeigt bekam, in welcher Gegend die einzelnen Offerten überhaupt liegen. Kurzerhand mixte er Craigslist mit dem Landkarten-Dienst von Google. Auf Housingmaps.com werden seitdem aktuelle Kleinanzeigen von Craigslist als virtuelle Stecknadel auf einer Landkarte angezeigt. Andere Internet-Nutzer nahmen die Idee dankbar an: In nur vier Monaten besuchten fast eine halbe Millione Unique User die Site.
Natürlich birgt der Trend zu Mashups für Unternehmen die Gefahr, dass Entwickler unautorisiert Software-Entwicklungen von Unternehmen nutzen und sie in einem anderen Zusammenhang weiterverwenden. Doch Firmen wie Amazon, Yahoo oder Google sehen auch eine Chance darin, dass Programmierer freiwillig ihre eigenen Services weiterentwickeln und gewähren ihnen bewusst einen leichteren Zugang zu ihren Daten und Services. Denn schließlich profitieren sie am meisten davon, wenn durch die geballte Kreativität der Internet-Nutzer neue und innovative Produkte entstehen. Bislang ist die Entwicklerszene allerdings sehr auf Google fixiert. Die Kombination "Google Map + X" ist derzeit das beliebteste Mashup in der Internet-Szene.
Insgesamt gesehen ist die technische Infrastruktur des Web 2.0 komplex und nicht genau definiert. Server-Software, Datentransfer-Protokolle, standardgerechte Browser, eine große Zahl an Anwender-Software, aber auch Inhaltssammlungen gehören dazu. Gemein haben die verschiedenen Puzzle-Stücke, aus denen sich Web 2.0 zusammensetzt, dass es sich um offene Standards handelt, die meist - ganz im Sinne des Open-Source-Gedankens - von anderen weiterentwickelt und abgeändert werden können. CSS, XML und XHTML wären typische Web-2.0-Techniken.
Das Web wird sozial
Wichtiger noch als der technische Gedanke ist jedoch der soziale Aspekt beim Web 2.0: Über neue Tools wie Weblogs, Wikis oder Communites können Website-Betreiber nämlich ihre Zielgruppen viel stärker einbinden als bisher und ihnen eine Plattform bieten, um Informationen, Meinungen oder Erfahrungen zu publizieren. Ältestes Beispiel sind die Kundenrezensionen bei Amazon. Jüngste Erfolgsgeschichte schrieben die Online-Enzykopädie Wikipedia oder Communities wie openBC, MySpace, Flickr oder YouTube. Damit die veröffentlichten Informationen leichter gefunden werden können, hat sich im Web 2.0 ein neues Ordnungssystem namens "Tagging“ herausgebildet: Dabei werden Dateien wie Fotos, Word-Dokumente, E-Mails, Weblinks und Ähnliches mit kleinen Schlagwortetiketten versehen, nach denen später gesucht werden kann. Ein Beispiel: Möchte ein Internet-Nutzer ein Urlaubsfoto aus seinem letzten Spanien-Urlaub digital ablegen, auf dem seine Ehefrau Carina zu sehen ist, so könnte das entsprechende Tag "Spanien" und "Carina" heißen. Will der Hobbyfotograf sich später seine Urlaubsfotos wieder anzeigen lassen, gibt er in eine Suchmaske "Spanien" ein und bekommt alle Spanien-Fotos angezeigt. Eine Suche nach "Carina" hingegen zeigt alle Fotos seiner Frau, darunter auch das Spanien-Bild. Der Vorteil des Taggens gegenüber der Ordner-Ablage wird damit deutlich: In einem Ordner kann eine Information nur einmal abgelegt werden, es sei denn, sie wird aufwendig kopiert. Beim Taggen kann sie einfach in verschiedenen Kontexten dargestellt werden.
Auch in der Navigation setzen Web-2.0-Anwendungen wie Flickr Trends. Als Alternative zum Suchformular finden sich auch in immer mehr Seiten so genannte "Tagclouds“, also Wolken aus Stichwörtern. So findet sich als Alternative zum Suchformular auf immer mehr Seiten eine Tagcloud. Je häufiger ein Wort auf einer bestimmten Seite gesucht wird, desto größer wird es in der Tagcloud dargestellt. Das sieht nicht nur cool aus, es erleichtert dem Nutzer auch die Navigation, denn es werden ihm vorrangig die Suchbegriffe präsentiert, die ihn mit einiger Wahrscheinlichkeit am meisten interessieren werden.
Neue Tools für Marketing & PR
Doch nicht nur Internet-Nutzer können dank Web 2.0 nun leichter ihre Meinung kund tun. Auch Unternehmen können über Weblogs oder Podcasts direkte Kommunikation mit ihren Kunden betreiben. Ein wichtiges Tool in diesem Zusammenhang sind auch so genannte RSS-Feeds – im Volltext: "Really Simple Syndication“. Sie erlauben es Internet-Nutzern, interessante Inhaltsangebote im Web automatisch zu abonnieren. Anders als beim E-Mail-Newsletter werden Informationen also nicht im Push-Verfahren an die Zielgruppe verteilt, vielmehr entscheidet sich die Zielgruppe aktiv, diese Informationen regelmäßig im Pull-Verfahren selbst einzuholen. Angeboten werden RSS-Feeds vor allem in Weblogs, auf News-Seiten oder von Podcast-Betreibern. Doch auch für Produkthersteller oder Händler sind RSS-Feeds als Marketing-Tool interessant, können interessierte Benutzer die Informationen doch per Pull-Mechanismus bequem anfordern. Über den RSS-Reader können sie die Seite regelmäßig abrufen und automatisch erfahren, was es Neues gibt. Auch ebigo.de bietet seinen Lesern ein RSS-Feed. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.ebigo.de/services/03159/index.html.
Innovationsprogramm Web 2.0
Kleine und mittelständische Unternehmen sollten den Web-2.0-Trend aufmerksam verfolgen. Denn die neuen Anwendungen bieten erstmals auch ihnen die Möglichkeit, ohne großes Marketing-Budget effektiv Werbung zu machen und ihren größeren Konkurrenten in die Parade zu fahren. Interessenten erhalten auch durch das Innovationsprogramm Web2.0 der MFG Baden-Württemberg einen Einblick in das Thema. Bis Ende 2007 gibt das Programm neue Impulse zu den wirtschaftlichen und sozialen Potenzialen des "next generation internet". Regionale Veranstaltungen (2.11. Ulm, 9.11. Friedrichshafen, 28.11. Karlsruhe und 30.11. Heilbronn) informieren über die Möglichkeiten von Web 2.0. In Arbeitskreisen werden neue Themen erarbeitet und konkrete Projekte vorangetrieben. Innovative Ideen, Anwendungen und Geschäftsmodelle werden 2007 im Rahmen einer Ausschreibung gefördert. Die Website des Innovationsprogramms erreichen Sie unter www.internet2null.de.