Der Mittelstand wacht nur langsam auf
Während sich Großkonzerne dieses Themas schon früh angenommen haben und sich auch der marktführende Mittelstand inzwischen mit der Problematik befasst, dämmert zahlreichen kleineren mittelständischen Unternehmen erst jetzt, was auf sie zukommt. Besonders betroffen sind der Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilzulieferer sowie die Elektroindustrie. Denn hier geben die Großkonzerne den Innovations- und Rationalisierungsdruck eins zu eins an ihrer kleinen und mittelständischen Zulieferer weiter. Höchste Zeit also, sich von den alten Excel-Listen zu verabschieden und über die Einführung einer Product-Lifecycle-Management-Lösung nachzudenken.
Sie basiert in der Regel auf PDM- und ERP-Systemen, die den Großteil der anfallenden und zu verwaltenden Daten und Prozesse aufnehmen, und verknüpft sie mit weiteren wichtigen Komponenten wie dem Supply Chain Management und dem Kundenbeziehungsmanagement. Das PLM wird dann durch organisatorische Festlegungen (z.B. welches System hat zu welchem Zeitpunkt die Datenhoheit, wer hat unter welchen Voraussetzungen Zugriff auf die Daten) und geeignete technische Maßnahmen realisiert. Auf technischer Seite kommen hier die Methoden und Tools des Enterprise Application Integration (EAI) zum Einsatz. So wird eine einheitliche Oberfläche für den Anwender geschaffen, von der aus er abhängig von Berechtigungen und Aufgaben Zugriff auf die in den verschiedenen Verwaltungssystemen gespeicherten Daten und Prozesse bekommt.
Eine Nummer zu groß
In Deutschland zählen vor allem IBM und EDS zu den marktführenden Lösungsanbietern im Bereich PLM. Aber auch MatrixOne und SAP sowie Baan versuchen sich auf dem Markt zu positionieren. Doch die meisten Systeme zur Verwaltung von Produktdaten und zum Versions- und Variantenmanagement wurden für Großkonzerne konzipiert. Klein- und mittelständische Unternehmen fühlen sich meist nicht in der Lage, den enormen Beratungsaufwand, der mit der Implementierung eines umfassenden Product Lifecycle Management (PLM)-Systems einhergeht, finanziell und personell zu tragen. Bescheidenere Lösungen sind jedoch meist unflexibel, fokussieren entweder auf einen bestimmten Arbeitsbereich oder lassen sich nicht auf die Unternehmensprozesse zuschneiden.
Ein zweckmäßiges PLM-System für den Mittelstand muss daher drei Bedingungen erfüllen: Es muss schnell, einfach und ohne großen Beratungsaufwand zu implementieren sein. Die Kosten müssen sich in einem für das Unternehmen angemessenen und vertretbaren Rahmen bewegen. Trotzdem soll sein Funktionsumfang alle Kernaufgaben eines PLM-Systems abbilden und die Anbindung an unternehmensinterne Prozesse gewährleisten. Zusätzlich muss sichergestellt sein, dass die Software unternehmensspezifisch modellierbar und flexibel skalierbar ist.
Hier drängen Anbieter wie Newtrust oder Cocreate auf den Markt, die kleinen und mittelständischen Unternehmen in unterschiedlichen Modulen genau das zu bieten versuchen, was sie für ihr Business wirklich brauchen. Schließlich erscheint es wenig effizient, „mit einem 16-Tonner in einer Großstadt einen Zustellservice zu organisieren“, wie Cocreate-Chef William Gascoigne es auf den Punkt bringt.
Egal für welche Lösung man sich letztlich entscheidet: Unabdingbar für den Projekterfolg ist die unmittelbare Beteiligung des Top-Managements. Denn PLM greift immens den etablierten Arbeitsalltag ein und verändert Abläufe, Arbeitsstrukturen und Hierarchien. Nur wenn der Unternehmenschef deutlich kommuniziert, dass die PLM-Einführung die Wettbewerbsfähigkeit der Firma verbessert und damit letztlich auch Arbeitsplätze sichert, werden auch seine Mitarbeiter voll und ganz hinter dem Projekt stehen (siehe Checkliste).