RFID – hinter diesen vier kryptischen Buchstaben, eine Abkürzung für den englischen Begriff "Radio Frequency Identification" – steht eine Entwicklung, die die Welt der Logistik und damit einen erheblichen Teil unseres Geschäftslebens revolutionieren wird. Denn RFID bildet – einfach ausgedrückt – die Grundlage für ein "Internet der Dinge", in dem nicht Menschen, sondern Produkte weltweit vernetzt werden, miteinander kommunizieren und selbst aktiv werden können.
Es gibt viele Gründe, automatische Identifizierungssysteme im Unternehmen einzuführen. Nicht selten ist der Einstieg in RFID.basierte Prozesse eher unfreiwillig: Wenn sich mittelständische Zulieferer an die Anforderungen ihrer Kunden und Geschäftspartner anpassen müssen zum Beispiel. Oder wenn neue gesetzliche Rahmenbedingungen exakte Produktverfolgung und –identifikation vorschreiben – ein Thema, dass nach Ansicht vieler Experten mehr und mehr auf die Lebensmittelbranche zukommen wird.
Viele Unternehmen entdecken aber auch von sich aus, welche Möglichkeiten RFID zur Optimierung von Prozessen bietet. Tatsächlich gibt es kaum eine Branche, die von RFID nicht profitieren könnte. Egal, ob es um die Markierung von Baumstämmen geht oder darum, die Vergabe von Medikamenten im Großkrankenhaus zu kontrollieren. Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte „RFID-Atlas“ etwa listet erfolgreiche Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen auf – von der Molkerei über die Stadtbibliothek bis hin zum Luftfahrtkonzern.
Maßarbeit ist gefragt
Die Vielfalt der realisierten RFID-Projekte zeigt allerdings auch: Es gibt keine Lösungen von der Stange. Jede erfolgreiche Anwendung ist das Ergebnis intensiver Konzeptarbeit, die alle relevanten Unternehmensbereiche berücksichtigt hat. Erste Anlaufadresse bei der RFID-Planung ist darum in der Regel ein qualifiziertes Systemhaus oder Beratungsunternehmen. Die Experten helfen bei der Auswahl geeigneter Technologien und bei der Kalkulation des Gesamtprojektes. Ist nach sorgfältiger Kosten- / Nutzen-Analyse die Entscheidung für RFID gefallen, geht es an die Umsetzung.
Und damit fängt die Arbeit erst richtig an: Neben der Hardware-Anschaffung (Transponder, Reader, Antennen) und der Programm-Implementierung geht es um die Einbindung des Systems in die bestehende Infrastruktur. Ein kritischer Punkt ist dabei die Überlastung der hauseigenen IT durch enorme RFID-Datenmengen. Hier empfiehlt sich der Einsatz von so genannter RFID Middleware, mit deren Hilfe sich der Datenfluss regulieren lässt.
Geballte RFID-Kompetenz im Branchenverband
Beratungsdienstleistungen im RFID-Umfeld vermittelt unter anderem der Verband der EDV-Software und -Beratungsunternehmen VDEB mit Sitz in Aachen. Die Branchenorganisation hat 2005 eine RFID-Fachgruppe ins Leben gerufen, der mittlerweile rund 30 Produzenten und Dienstleister angehören. Unterstützt wird die RFID-Fachgruppe von Vertretern der Universitäten Bremen, Dortmund, Hannover und Köln sowie durch das Aachener Competence Center Electronic Commerce, während das Innenministerium Baden-Württemberg in Fragen des Datenschutzes berät.
Die Gruppe arbeitet unter anderem an einer Referenzdatenbank für RFID-Anwendungen und an einem Kriterienkatalog. In Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg entsteht außerdem ein Leitfaden für die geschäftsprozessorientierte RFID-Integration. Weiterbildungs- und Schulungsangebote für die Branche sollen ebenfalls angeboten werden.