Viele Mittelständler sind im Vorteil, wenn sie den Betrieb ihrer Online-Shops an einen externen Partner auslagern und nur für das zahlen, was sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Sie können auf diese Weise Kosten sparen, Zeit für andere Projekte freischaufeln und die eigene IT-Abteilung entlasten. Egal, ob man das Modell nun "Software on Demand" (SoD), "Software as a Service" (SaaS) oder "gehostete Anwendungen" nennt: Im Kern geht es darum, Lösungsprozesse aus dem eigenen Unternehmen auf eine Internet-Plattform zu verlagern. Der Zugriff erfolgt via Webbrowser, abgerechnet wird entweder nach Zugriffen oder über einen Fixpreis. Das Geschäftsmodell gewinnt an Bedeutung: Immer mehr Softwarehäuser, die sich bisher auf den Verkauf von Lizenzen konzentrierten, offerieren nun auch On Demand-Versionen. Zu ihnen zählen auch ausgewiesene E-Commerce-Experten wie Intershop. Unternehmensgründer Stephan Schambach hat in den USA sogar ein eigenes Startup namens Demandware gegründet, das ausschließlich Miet-Software anbietet.
Online-Handel der nächsten Generation
Schambach rechnet sich große Marktchancen aus: Mehr als die Hälfte aller amerikanischen E-Commerce-Betreiber suchen nach einer neuen Shopping-Plattform, schätzt das einstige Wunderkind der New Economy. In Deutschland dürfte es nicht viel anders aussehen. Gründe dafür sind einerseits das Alter der bestehenden Systeme – sie wurden häufig schon während des Internet-Hypes vor fünf bis sechs Jahren angeschafft – und andererseits das gestiegende Transaktionsvolumen, das nicht immer vorhersehbar war. Marktkenner beobachten zudem einen Generationswechsel innerhalb der Unternehmen: Auch in mittelständisch geprägten Firmen tritt der IT-Experte beim E-Business in den Hintergrund. Das Online-Geschäft wird mehr und mehr zum Fall für den klassischen Vertriebschef, der komplexe technische Prozesse lieber auslagert.
Die Vorteile von Software on Demand liegen auf der Hand. Zunächst ist das System flexibler und günstiger, weil keine Fixkosten für die Lizenzen anfallen. Zudem entfallen Vorabinvestitionen für Hardware, Software und Infrastruktur. Der Betrieb beim externen Dienstleister läuft ohnehin meist professioneller als im eigenen Haus. Das gilt vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen, die mit dem Aufbau eigener IT-Abteilungen häufig überfordert sind.
Vorsicht vor IT-Tücken
Allerdings sollten auch die Risiken von On Demand-Lösungen nicht verschwiegen werden: Sensible Firmendaten müssen aus dem Haus gegeben werden – nicht selten auf einen Server, der noch nicht einmal im eigenen Land liegt. Grundsätzlich begibt man sich in ein temporärers Abhängigkeitsverhältnis zum Dienstleister, auf dessen Support man angewiesen ist. In einzelnen Fällen kann es auch zu Software-Konflikten zwischen den eigenen Systemen und denen des „Vermieters“ geben. Fachleute gehen aber davon aus, dass eine zunehmende Standardisierung der Schnittstellen hier in der nächsten Zeit für Abhilfe sorgen wird. In jedem Fall sollte aber die eigene IT-Abteilung eng in das On Demand-Projekt eingebunden werden.
Mit der weiteren Entwicklung des On Demand-Marktes dürfte sich vor allem das Angebot für KMUs vergrößern. Fachleute sehen für sie das größte Sparpotenzial. Zurzeit gehen die Ansichten darüber noch auseinander, von welcher Unternehmensgröße an On Demand Sinn macht. Ein Jahresumsatz von einer Millionen Euro gilt allgemein als Minimum. Einige "Vermieter" sehen aber auch zehn Millionen Euro Erlöse als Untergrenze.