Anbieter und Anwender zeigen derzeit in Deutschland zwar ein großes Interesse am Thema Green IT, doch nur wenige IT-Entscheider initiieren entsprechende Projekte. Dabei zeigen konservative Beispielrechnungen des Münchner IT-Beraters Experton Group, dass Virtualisierungs- und Konsolidierungsprojekte – die derzeit oft im Fokus der IT-Entscheider stehen – sich in Kombination mit Green IT-Komponenten schon alleine durch die Senkung der Energiekosten begründen lassen.
Folgende Parameter müssen dabei berücksichtigt werden:
- Stromverbrauch der dedizierten Server und Blades
- Stromverbrauch der Storage Komponenten
- Stromverbrauch der Network Komponenten
- Stromverbrauch der Klimatisierung
Hinzu kommen weitere signifikante Einflussgrößen, die bei der Beispielrechnung noch nicht berücksichtigt wurden:
- Kapazitätserweiterung der Stromversorgung
- Kapazitätserweiterung des Rechenzentrums
Die Experton Group hat aktuell ein für den deutschen Markt typisches Fallbeispiel analysiert und berechnet. Dabei wird von folgenden Eckwerten ausgegangen:
- mittelständischer Anwender (Industrie) mit 900 Mitarbeitern an drei Standorten in Deutschland (selbst betriebenes) Rechenzentrum
- 25 dedizierte Server und 120 Blades in Racks
- 10.000 GB Storage Volumen (SAN/NAS)
- sonstige Infrastruktur (Network, Bandlaufwerke, Klima)
Diese Infrastruktur benötigt ca. 1,2 MWh pro Jahr, was Kosten in Höhe von ca. EUR 165.000 entspricht. Durch folgende Maßnahmen werden die Stromkosten gesenkt:
- Virtualisierung (bessere Ausnutzung der Ressourcen)
- Reduzierung der dedizierten Server auf 19
- Reduzierung der Blades auf 84
- Reduzierung des Storage Volumens auf 7.500 GB
- Projektkosten hierfür: EUR 100.000 (EUR 60.000 für Software (5-Jahre Abschreibung) und EUR 40.000 für Services)
- Einsparung Stromkosten: EUR 47.200 p.a.
- Green IT Komponenten
- Reduzierung der Leistungsaufnahme dedizierter Server auf 350W
- Reduzierung der Leistungsaufnahme Blade Server auf 175W
- Mehrkosten Green IT Komponenten: EUR 184.200 (5-Jahre Abschreibung)
- Einsparung Stromkosten(zusätzlich zu den Einsparungen durch Virtualisierung): EUR 35.100 p.a.
Bei einer (konservativen) 5-jährigen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des obigen Beispiels, zeigt sich, dass sich die Kosten für Virtualisierung und Green IT-Komponenten bei konstanten Energiepreisen nach 32 Monaten amortisiert haben. Dabei wurden die stark vom Einzelfall abhängigen Vorteile durch einfachere Administration und höheren Verfügbarkeit einer virtualisierten Umgebung noch nicht quantifiziert. Würde man die zusätzlichen Vorteile durch eine virtualisierte Umgebung und Strompreissteigerungen von 20 Prozent mit einbeziehen, käme man auf Amortisationszeiten von deutlich unter 18 Monaten.
Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zeigt: Virtualisierungsprojekte rechnen sich schon nach 18 bis 32 Monaten.
Diese – noch sehr einfach gehaltene – Wirtschaftlichkeitsbetrachtung führt noch zu positiveren Ergebnissen, wenn die Parameter „Investitionen zum Ausbau der Stromkapazität“ und „Investitionen zum Ausbau der RZ-Kapazität“ berücksichtigt werden. „Eine IT-Infrastruktur-Investition (Virtualisierung, Konsolidierung, Green IT) lässt sich also allein durch eine Reduzierung der Stromkosten wirtschaftlich begründen“, kommentiert Andreas Zilch, Vorstand der Experton Group. Diese Chance wird allerdings aktuell noch wenig genutzt, folgende Gründe sind dafür entscheidend:
- Es existieren noch keine soliden Modelle und wenig deutsche Beispielrechnungen zum Thema Energieeffizienz im Rechenzentrum.
- Die Stromkosten sind selten im Budget des IT-Leiters, damit sind die Einsparpotentiale auch nicht in seinem Fokus.
Hier sieht Wolfgang Schwab, Senior Advisor der Experton Group einen dringenden Handlungsbedarf auf Seiten der RZ-Verantwortlichen. „Derzeit sind die Stromkosten zwar in der Regel nicht Bestandteil des IT-Budgets, aber die anhaltende öffentliche Diskussion um CO2 und Green IT wird früher oder später sowohl das Controlling als auch die Geschäftsleitung auf den Plan rufen, die dann prüfen, wer im Unternehmen sehr viel Energie verbraucht und welche Maßnahmen zur Senkung durchgeführt wurden. Dann entscheidet sich sehr schnell, wer durch Green IT gewinnt oder durch Aussagen wie „wir sind noch in der internen Diskussion“ verliert“.
Für RZ-Verantwortliche, die das Thema Energiekosten aktiv angehen wollen schlägt Experton Group das folgende Vorgehen vor, das einerseits die Administration deutlich vereinfacht und andererseits zu deutlichen Energieeinsparungen führt:
1. Zentralisierung der IT auf möglichst wenige Rechenzentren
2. Virtualisierung der IT-Landschaft
3. Verwendung von Green IT-Komponenten, wo immer dies möglich ist
Dass bereits viele Unternehmen auf dem richtigen Weg sind, zeigen die Planungen für Virtualisierungslösungen. Eine Umfrage unter 232 Unternehmen zeigt: 23 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit 200 bis 499 Mitarbeitern nutzen heute schon Virtualisierungslösungen. Weitere 40 Prozent planen dies für die kommenden 12 bis 18 Monate.